Bindungsschocktrauma – einmal genügt

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Trauma findet die unterschiedlichsten Definitionen und Differenzierungen. Weshalb also noch ein weiterer neuer Begriff?

Klassischerweise wird unterschieden in Schocktrauma und Entwicklungstrauma. Letztere sind vor allem der frühen Kindheit zugeordnet, beinhalten aus meiner Sicht aber auch die pränatale Zeit. Bezeichnend für Entwicklungstrauma ist, dass es es sich – im Gegensatz zum Schocktrauma – um wiederholte Ereignisse über längere Zeit oder eine über Jahre anhaltende dysfunktionale Atmosphäre im Umfeld (Familie, Nachbarschaft, Schule, etc.) handelt.

Bindungstrauma wird dabei als Unterthema von Entwicklungstrauma verstanden, indem es auf Bindungsthemen fokussiert, die vor allem in Relation stehen zu den früh entstehenden Persönlichkeitsstörungen (Borderline, Narzissmus), aber auch eine zentrale Rolle spielen in der Bindungstheorie (Bowlby/Ainsworth). Dabei entsteht der Eindruck, nur andauernde, wiederholte Ereignisse in der Kindheit könnten eine Bindungsstörung verursachen.

Dem widerspreche ich mit meinem kraftvollen Ausdruck „Bindungsschocktrauma“ ausdrücklich. Störungen im Bindungsverhalten können ausgelöst werden durch einzelne Ereignisse – sogar, wenn sie scheinbar bedeutungslos erscheinen. Wir Erwachsenen sind enorm gefordert, uns dieser Herausforderung zu stellen und für die Kinder, denen wir begegnen, mit noch mehr Bewusstsein da zu sein.

Die gute Nachricht: indem wir ein kooperatives, wertschätzendes Resonanzfeld für Kinder zur Verfügung stellen, in welchem soziales und emotionales Lernen durch spielerisches Erforschen statt finden können, werden die vergangenen Verletzungen gleichzeitig mitgeheilt. Und das soll uns noch mehr Ansporn sein im Umgang mit Kindern.

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